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Mein Weg zum Wing / Tsun
Von Herbert Ringling
Ich bin 36 Jahre alt und seit 10 Jahren Mitglied bei Sifu Erwin Kastl.
Diesen Schritt habe ich nie bereut, da ich gerne trainiere unter Sifu´s Anleitung. Leider komme ich erst jetzt dazu, meinen ersten Technikergrad zu machen. Durch Verletzungen, Berufswechsel und der Geburt meiner beiden Kinder, musste ich immer wieder größere Trainingszwangspausen einlegen. Obwohl mein Kämpferherz durch diese Umstände sehr gelitten hat, wird mich nichts davon abhalten, meinen Weg im Wing / Tsun weiter zu gehen! Er ist für mich unter anderem auch ein Weg zu menschlicher Reife.
Es gibt meiner Meinung nach nichts vergleichbares, das ich mit meinen Idealen von Selbstverteidigung und Kampfkunst vereinbaren kann. Es beinhaltet sämtliche Kampfsituationen wie Faustschläge, Fußtritte, Würfe, Würgen, Hebeln und Bodenkampf bis hin zu Messer-, Stockangriffen und Gegenständen.
Warum ich die Kampfkunst des Wing / Tsun erlernen wollte und wie ich dazu kam.
Meinen ersten Kontakt mit den Kampfkünsten bzw. mit den Budosportarten, hatte ich mit ca. 17 Jahren. In meiner Lehrzeit traf ich mit einem Kollegen zusammen der schon einige Jahre Kickboxen trainierte von ihm ließ ich mich zu einem Probetraining überreden. Das kam mir sehr gelegen. Den Kontakt zu meinen alten sogenannten Freunden, durch die ich beinahe auf die schiefe Bahn geraten wäre, hatte ich schon vor etwa einem Jahr abgebrochen weil ich noch rechtzeitig erkannte, dass sie wahre Werte missachteten. Durch die negativen Einflüsse meines damaligen Bekanntenkreises, habe ich viele wertvolle Erfahrungen gesammelt, die mich in meinem weiterem Leben prägten. Dadurch ist mir sehr früh bewusst geworden was im Leben wirklich zählt. Mit meinen damals 16 Jahren war ich schon viel reifer als meine Altersgenossen. Diese Erfahrungen haben mich den kritischen Blickwinkel gelehrt alles von zwei Seiten zu sehen, den ich mir bis heute bewarte. In diesem Jahr habe ich aus Gewindestangen und großen Beilagscheiben Hanteln gebastelt und meine ersten Versuche gestartet Krafttraining sowie Laufen zu beginnen. Damals steckte alles noch in den Kinderschuhen, aber ich hatte schon kleinere Fortschritte gemacht.
Durch das Kickboxen das mir viel Freude bereitete, wurde mein Ergeitz und mein Wille gestärkt, schneller ,härter und besser zu werden. Es schulte meine Beweglichkeit und Ausdauer. Jedoch merkte ich bald, dass ich schwereren und kräftigeren Gegnern unterlegen war, die über das Gleiche technische Repertoire verfügten. An Wettkämpfen nahm ich leider niemals teil. Das lag daran, das in meiner Gewichtsklasse viel erfahrenere aktive Sportler waren. Diese Tatsache empfand ich nicht so tragisch, da mir mehr daran lag fit zu sein und mich in unvermeidbaren Konfrontationen verteidigen zu können.
Mein Tagesablauf gestaltete sich wie folgt: arbeiten, trainieren, essen und schlafen.
In meiner Kochlehre die ich in München machte hatte ich oft Teildienst, somit Nachmittags 2 Stunden Pause. Die ich meistens am Viktualienmarkt und im Buchladen Hugendubel verbrachte. Im Buchladen stöberte ich hauptsächlich in der Abteilung Sport, Bücher über Kampfsport, Ausdauer, Konditionstraining und Muskelaufbau waren das Ziel meiner Begierde. Im laufe der Zeit kamen die östlichen Philosophien einschließlich Yoga dazu.
Von den Büchern die ich mir kaufte, verstaubt jetzt ein großer Teil im Speicher!
Mit meinem Arbeitskollegen trainierte ich auch oft außerhalb des Trainings, bei ihm in München oder bei mir im Speicher, wo ich bis heute noch trainiere.
Wir trainierten hart und schmerzvoll, nach dem Spruch: Ein Kämpferherz steckt eine ein und teilt fünf aus!
Immer auf der suche nach neuem Infomaterial, machte mich mein Kumpel auf einen Kung Fu Laden am Rotkreuzplatz aufmerksam, ein kleiner Laden auf den ersten Blick nichts besonderes. Das übliche das sich auch aus jeder Budozeitschrift schicken ließe. Außer ein paar ausgefallene Messer und die besten Wurfsterne die ich je gesehen hatte, das Stück bis zu 50 Mark. Und ein unscheinbares Regal neben der Kasse mit ca. insgesamt 25-30 Büchern.
Zwei fielen mir so fort auf , sie hoben sich von den anderen magisch ab, sie waren schwarz gebunden. VOM ZWEIKAMPF von Keith Ronald Kernspecht, KRAFTTRAINING FÜR KUNG FU UND KARATE von Eberhard Schneider.
Nach kurzem hinein lesen war ich vollauf begeistert und kauft beide. Ich gestehe, dass mein vorrangiges Interesse dem Buch von Eberhard Schneider galt, das ich sobald ich Zeit hatte förmlich verschlang.
Die Einfachheit der Worte, das große Gesamtfeld des Fachwissens und die klaren Zusammenhänge ließen mich bald ein neues Krafttrainingsprogramm, das ich so gut ich konnte nach meinen Möglichkeiten auf meine Person zusammenstellte.
Es lief gut, ich machte große Fortschritte an Kraft und Masse. In meinen Regenerationsphasen wittmete ich mich nun dem Buch vom Zweikampf, es war erstaunlich auch dieses fesselte mich von der ersten bis zur letzten Seite. Ich hatte gefunden nach dem ich all die Zeit gesucht hatte. In den nächsten Monaten versuchte ich die Prinzipien und Konzepte auf das Kickboxen zu übertragen. Doch dies befriedigte mich nicht, es gab ja noch viel mehr Möglichkeiten Situationen, Distanzen und so weiter. Ich wollte mehr wissen und trainieren. Doch dies gestaltete sich zu Anfang schwieriger als ich dachte. Zu mal ich noch nie etwas von einer Wing / Tsun Schule gehört oder gelesen hatte. So beschloss ich mir die Bibel des Wing Tsuns`s , das Wing Tsun Kuen direkt im Wu Shu – Verlag zu bestellen. Bei dieser Gelegenheit fragte ich nach Schulen in meiner näheren Umgebung. Soweit ich mich erinnere waren dies die Schulen in Marzling bei Freising und München Berg am Laim. Meine erste Anlaufstelle war Marzling, als ich da ankam fand ich weder eine Schule noch irgendeinen Hinweis danach, ich kehrte enttäuscht zurück. Da ich nicht mehr in München arbeitete sondern in Erding als Zimmerer, kam ich nur noch selten ins Kickboxen. Da mich die schwere Arbeit anfangs sehr auslaugte, die Zeiten und Anreise knapp bemessen waren.
So trainierte ich ab und an mit Freunden, aber hauptsächlich alleine am Sandsack und mit Gewichten.
Bis ich mich mit einem Bekannten über Wing / Tsun unterhielt, auch er war überzeugt davon, dass dies die effektivste Art der Selbstverteidigung sei. So beschlossen wir gemeinsam nach München zu fahren, um ein Probetraining zu absolvieren. Ich war beeindruckt von der Art zu trainieren, ich hätte auch einen Vertrag unterschrieben wenn ich mich nicht mit meinem Bekannten in die Haare bekommen hätte. Nach fünfmaligem besuchen der Schule konnte ich nicht mehr mit ihm im selben Verein trainieren. So war mein Traum vom Wing / Tsun wieder in weite ferne gerückt.
Es vergingen einige Jahre, als ich wieder einmal umgezogen war, und im darauf folgendem Frühjahr auf meinen Balkon saß, sah ich auf Nachbars Wäscheleine schwarze Wing / Tsun Kleidung. Das schlug bei mir ein wie ein Blitz, ich begann sofort mit Nachforschungen. JA, es gab nun eine Wing / Tsun Schule in Erding. Am darauf folgendem Mittwoch fuhr ich in die Tanzschule nach Altenerding , sah mir alles kurz an und kam der Auforderung nach, bei einem Probetraining mit zu machen.
Ich musste nicht großartig überlegen, denn ich wusste was ich wollte, so unterschrieb ich den Vertrag im nächsten Training. Seitdem trainiere ich mit wachsender Begeisterung bei meinem Sifu, Erwin Kastl Wing / Tsun, leider nicht mit der Regelmäßigkeit die ich mir gewünscht hätte.
Da ich meine Begeisterung für Wing / Tsun schon laut genug verkündet habe. Möchte ich noch meine Erfahrungen, das Wissen das ich im lauf der Jahre durch Training und Philosophie erlangt habe, weiter geben. An dieser Stelle möchte ich den griechischen Denker und Philosophen Sokrates zitieren: Ich weiß, dass ich nichts weiß!
In dem Wort Kampfkunst steckt das Wort Kampf . Dessen Bedeutung ist, seitdem der Mensch begonnen hat aufrecht zu gehen; „lösen von Konflikten“. Kampf heißt töten. Wie kann ein menschliches Wesen soweit gehen ein anderes menschliches Wesen zu töten? Es ist unsere Aufgabe, einander zu lieben, nicht zu töten. Nach den Lehren der Philosophie ist allumfassende Liebe die größte Kraft ,das größte Gut auf Erden! Es ist ein abscheulicher Gedanke, dass jemand nichts weiter im Sinn hätte, als zu kämpfen und zu siegen. Wir sind moralische Wesen, wir dürfen uns nicht auf das Niveau der Tiere begeben. Was nützt es, wenn einer ein tüchtiger Kämpfer wird und dabei seine menschliche Würde verliert? Das Ideal besteht darin, Sieger ohne Kampf zu sein.
Mein weiteres Bestreben währe es noch die Kunst des Heilens zu erlernen. Da auch viele hochgradige Kampfkunstexperten praktizierende Ärzte oder Naturheilkundler sind. Das würde nach dem Prinzip von Yin und Yang, die Peripherie des Kreises schließen.
Zum Schluss:
Aus dem Tao entstand Eins.
Aus Eins entstand Zwei.
Aus Zwei entstand Drei.
Aus Drei entstanden die zehntausend Dinge.
Die zehntausend Dinge tragen in sich Yin und
umfangen Yang. Sie erlangen Einklang, wenn
sie diese Kräfte miteinander verbinden.
TAO-TE CHING (LAO-TSE)
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